Ein Garten als (be)nutzbares Bild

Ein Garten als (be)nutzbares Bild

Naturnahe Vielfalt trifft auf den Kontrast von architektonischer Geradlinigkeit.

Warum begehrte Grundstücke häufig am Wasser liegen, erklärt sich ja eigentlich von selbst. Wenn aber auch noch das gegenüberliegende Ufer mit dazu gehört, ist dies dann schon eher selten und außergewöhnlich. Zwar handelt es sich in diesem Fall nur um einen bachartigen Zufluss zur Alster, dennoch bestimmt dieses quer durch den Garten verlaufende Gewässer an der tiefsten Stelle die V-förmige Topografie des Geländes. Von der Straße aus geht es steil bergab bis zum Graben und steigt auf der anderen Seite auf nahezu gleiche Höhe an.

Schon vor dem Betreten des wunderbar modern entworfenen Architektenhauses steht man auf einer Brücke zwischen Straße und Haustür und spürt, wie treffend die Geländeplanung auf die oben beschriebene Besonderheit des Grundstücks reagiert. Vis à vis von der Eingangshalle wird das Straßenseitige Erd- zum gartenseitigen Obergeschoss, wo sich nun in luftiger Höhe Küche, Ess- und Wohnbereiche befinden, mit großformatigen Fenstern, einer vollsonnigen Dachterrasse und einer seitlich gelegenen, langen XXL-Treppe zum Garten.

Wie ein Bild liegt das Grundstück mit seinem Bach ein Stockwerk unterhalb dieser Panorama-Ebene und rief zu Beginn der Planung förmlich dazu auf, entsprechend visuell gestaltet zu werden. Da sich hangartige Flächen für herkömmliche Gartenzwecke eh nur bedingt eigenen, standen bei der Erarbeitung von Entwurfsideen vorwiegend optisch wirkungsvolle sowie nutzungstechnisch optimierende Maßnahmen im Focus.

So wurde, in Anlehnung an fernöstlich und eher kontemplativ gestaltete Gärten die Überlegung geboren dem vormals schlichtweg kanalartig geführten Bachlauf mit Aufweitungen, Felsen, renaturierten Flachwasser- und Uferzonen sowie einer standortgerechten Bepflanzung sowohl wieder mehr Lebendigkeit einzuhauchen als auch naturnahe Vielfalt zurückzugeben.

Im architektonisch geprägten Kontrast hierzu wurden entlang der südwestlich ansteigenden Grundstücksgrenze eine quaderförmig geschnittene Reihe aus sieben aufrechten Hainbuchen platziert, deren Höhe mit dem jährlichen Schnitt auf eine horizontal verlaufende Linie genutzt wird, die sich auf die Flucht und Geometrie des Gebäudes bezieht. Anstelle des alten Holzstegs entstand an günstigerer Stelle eine streng formale Brücke aus rechteckigen, hochvergüteten Betonplatten, nahezu freitragend über den Bach gespannt und als waagerechte Linie der schlechten Eleganz zuliebe auf Wunsch unserer Auftraggeber ohne Geländer.

Versetzt gelegte materialgleiche Großplatten der gleichen Bauart bilden am Ende der Brücke subtile Stufen mit ausgeprägten Schattenfugen, die zum wohl schönsten, neu angelegten Platz im Garten führen, von dem aus man einen herrlichen Rundumblick beim Tee im nachmittäglichen Schatten einer uralten Rispenhortensie genießen kann.

Das gestalterische Thema dieser verschachtelt und treppenartig verbauten Platten wiederholt sich an der Böschung unterhalb der Brücke im Vordergarten, die zum Eingang führt. Flankiert wird dieses betonale Arrangement von fließenden Formen aus japanischem Waldgras und Zwergilex, sowie einem mächtigen Cornus Kousa, der als Signature-Tree eigens für diesen Standort ausgewählt worden ist.

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Sebastian Jensen

Garten- und Landschaftsarchitekt

E jensen@hamburg.de
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